Autorin

Autor: Beate Mäusle (Seite 1 von 10)

Der gepackte Rucksack

Der Rucksack und die Schuhe sind entscheidend für das Vorhaben, den oder einen Camino zu laufen.

Man kann natürlich auch einen Gepäckservice nutzen, ich habe sehr viele getroffen, die das gemacht haben. Alle fanden jedoch, dass dies ein aufwendiges Unterfangen ist, nicht alle Unterkünfte bieten das an, bzw. lassen es zu. Manche haben morgens erstmal ihr Gepäck in ein Hotel gebracht, bei dem ein Gepäckservice organisiert war.

Wenn man Pilgern möchte, dann nur mit Rucksack. Man kann nicht so ungezwungen in den Tag laufen, wenn man erstmal sein Gepäck organisieren muss. Es muss morgens schon klar sein, wohin das Gepäck transportiert werden soll. Spontanität ist eher nicht.

Der Rucksack soll ungefähr 10 % deines Körpergewichts ausmachen. Auch hier gibt es unterschiedliche Meinungen. Manche sagen 15 %. Meiner war also viel zu schwer. Trotzdem hatte ich, aus meiner Sicht, nichts Überflüssiges dabei.

Die ersten Tage hatte ich große Probleme mit dem Rucksack, ich hatte Rückenschmerzen und der Rucksack baumelte. Ich brauchte ein bisschen, um die richtige Einstellung herauszufinden. Bald gehörte er schon fast zu meinem Körper.

Ich empfehle unbedingt einen Profirucksack zu kaufen, der das Gewicht auf die Hüften stellt und sich deinem Körper optimal anpasst.

Gepäck

Kleidung, Schlafen

  • Schlafsack, wenn man in Pilgerherbergen übernachten möchte
  • Schlafmaske, nicht lachen, war total hilfreich in Hotelzimmern, die nicht dunkel sind
  • Schlafanzug
  • 1 Mikrofaser Handtuch (leicht)
  • Trekkingsandalen oder Flip Flops als Alternative zu den Wanderschuhen, abends brauchen die Füße Luft
  • 2 T-Shirts, ich hatte drei dabei, zwei hätten gereicht
  • 1 Trekkingbluse
  • 2 Sport-BHs
  • 3 Unterhosen
  • 2 Paar Socken, ich habe mir hochwertige Kompressionsstrümpfe aus dem Sportgeschäft geholt
  • 1 lange Hose
  • 1 Leggins 3/4 Länge
  • 1 Wanderrock, fand ich super, weil eine kurze Leggings unter dem Rock ist, es gibt kein Reiben
  • 1 leichte Windjacke
  • 1 Regenjacke
  • 1 Basecap
  • 1 warmer Sportpulli mit Reißverschluss

Basics

  • Handy, habe ich oft für Google Maps gebraucht und um Hotels zu buchen, war wichtigstes Tool, Photos!
  • Powerbank
  • Ladekabel
  • Ausweis, Reiseunterlagen
  • Camino-Führer
  • schlanke Hüfttasche: hier passten Handy, Ausweis, Geld, Kreditkarten und Pilgerausweis rein. War sehr praktisch. Ich hatte immer die Hände frei und konnte nichts vergessen oder liegen lassen

Köperpflege

  • Hirschtalgcreme, jeden Morgen die Füße dick eincremen, bestes Mittel gegen Blasen
  • Sonnencreme
  • Körperbutter, die Haut ist durch Staub und Hitze sehr beansprucht
  • Dusch-, Wasch- und Haargel in einem
  • Gesichtscreme
  • Lippenstift, war neben der Gesichtscreme der einzige Luxus
  • Medikamente
  • Wundcreme, Proficreme für Radfahrer

Das Einzige, was ich wirklich gar nicht gebraucht habe, war das Taschenmesser. Es ist wirklich erstaunlich, mit wie wenig man klar kommen kann. Steve Jobs, Mark Zuckerberg und all die anderen Menschen, die täglich viele Entscheidungen treffen müssen, tragen immer dasselbe. Wir erinnern uns an Steve Jobs schwarzen Rollkragenpullover. Sie wollen ihre Entscheidungsfähigkeit und Zeit, nicht mit unwichtigen Entscheidungen, wie Kleidung, belasten.

In der Tat ist es befreiend, morgens zwischen Wanderrock und Leggins zu wählen und das Wahlkriterium ist das Wetter. An allen Geschäften läuft man fröhlich vorbei, einkaufen ist nicht, denn man kann nicht mehr tragen. Sollte ich mir zukünftig beim Konsumieren die Frage stellen: kann und möchte ich das tragen? Dieses Gefühl der Freiheit möchte ich mit in meinen Alltag nehmen.

Buon Camino im Alltag!

Was der Camino nicht war

Laaangweilig

Vor dem Abflug nach Porto habe ich mir vier Hörbücher runtergeladen. Papierbücher sind ja zu schwer für einen Rucksackpilger. Ich hatte Sorge, es könnte mir langweilig werden. Immer laufen. Natur. Immer dasselbe. Die Wahrheit ist, es war keine einzige Minute langweilig. Selbst bei den härtesten Etappen nicht. Ich habe nicht ein einziges Hörbuch gehört, im Hotel nicht einmal ferngesehen.

Einsam

Ich hätte doch gar niemanden zum reden. So ganz alleine. Das war die Meinung vieler. Ich habe mir dann schon die Frage gestellt, habe ich mir zu viel vorgenommen? Kann ich es mit mir aushalten? Bekomme ich Heimweh, wie bei der letzten Sylt-Reha? Die Wahrheit ist wieder, ich war keine einzige Minute einsam. Ich war alleine und das war schön, aber nie einsam. Ich habe so viele Menschen getroffen, so viele anregende Gespräche geführt, so viel gelernt und so viel Spaß gehabt.

Verbissen

Natürlich gibt es die, die zum Ziel rennen müssen. Aus sportlichem Ehrgeiz oder was auch immer. Es gibt aber auch viele, die in ein Taxi steigen. Man könnte in Santiago einen Tag nur vor der Kathedrale sitzen und den Pilgern beim Ankommen zuschauen. Wie sie feiern. Diese Leichtigkeit. Diese Freude. Diese Menschenfreundlichkeit. Diese Lebensfreude.

Leicht

Der Camino gibt nicht nur, er fordert auch. Leicht ist es nicht. Man braucht Durchhaltevermögen. Er ist nicht leicht zu konsumieren. Er ist unbequem. Er stellt viele Fragen. Am Ende wird man für die Anstrengung belohnt.

Teuer

Jeder, wirklich jeder, kann ihn laufen. Man braucht nur einen Rucksack und gute Schuhe. Ein paar Euro für den Schlafsaal und auch die kann man zur Not einsparen, in dem man kirchliche Angebote annimmt. Wenn man etwas braucht, sind so viele Menschen da, die geben. Ob das Ohrstöpsel sind, die mir Jutta geschenkt hat oder eine Flasche Wasser.

Hasta luego Santiago, wir sehen uns wieder Tag 17 Abreise

Lage

  • Füße: wollen weiterlaufen
  • Pilgeraufkommen: abnehmend
  • Kalorien: Festessen daheim
  • Wetter: Santiago-Wetter, Regen
  • Stimmung: freu mich auf zuhause

Auf der Suche nach einem Friseur, habe ich mich gestern Abend noch neu eingekleidet. In dem Geschäft waren einige Pilgerinnen mit dem gleichen Bedürfnis. Ich bin froh, frische Sachen anziehen zu können und das mufflige Zeug in den Rucksack packen zu können.

Es regnet wieder. Ich trinke im Hotel noch einen Kaffee mit einem Amsterdamer Pilger. Der fährt heute auch heim. Er fährt mit dem Bus nach Porto zurück und fliegt von dort aus direkt heim. Ist auch eine Option. In Barcelona wird am Flughafen wohl gestreikt und es fallen Flüge aus. Meine zum Glück nicht.

Der Flughafen liegt 13 Kilometer entfernt. Eine lässige Tagesetappe. Als ich meinen Rucksack aufziehe ist er so leicht. Ich möchte am liebsten loslaufen.

Ich fahre dennoch Taxi. Die Wanderstiefel sind im Rucksack. Auf dem Weg zum Flughafen sehe ich ein letztes Camino Schild. Ich werde wehmütig.

Caminoschild zum Abschied

Am Flughafen erzählt mir eine Brasilianerin, ihre Caminoerlebnisse. Sie ist mit Schwester und Schwager und sonstiger Familie gelaufen. Zu fünft waren sie, sie haben immer gequatscht und sind zu langsam gelaufen. Schlafen konnte sie in den Gescheinschaftszimmern oder Airbnbs auch nicht. Aber sie fand’s trotzdem toll, hätte nicht gedacht, dass sie so lange Strecken laufen kann. Sie wird das nochmal machen, dann aber alleine. Ich hätte das richtig gemacht.

Meine Compostela

Finde ich auch! Bevor ich aufgebrochen bin, hatte ich Sorge, dass mir das Pilgern gar nicht gefallen würde, dass es mir langweilig sein könnte, dass ich nicht immer allein sein möchte. Ist alles nicht eingetroffen. Es war eine tolle Erfahrung und ich nehme viel mit nach Hause, in meinen Alltag. Ich habe so viele wundervolle Menschen getroffen und Erlebnisse gehabt.

Den Camino Portugues bin gelaufen, um mich zu sortieren, mich zu finden, nach turbulenten Jahren Stille zu suchen.

Ich werde den Camino Frances laufen. 800 Kilometer statt 260. 32 Etappen statt 14. Sechs Wochen statt zwei. Und ich werde nach Gott suchen. Ein bisschen habe ich ihn schon gefunden, er hat sich einige Male gezeigt.

Wenn ich wiederkomme, werde ich frei nach Steve aus Montana sagen können: I was looking for God and I finaly found him.

Käse aus Santiago

Buon Camino everbody.

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